Sonntag, 19.11.2017
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Verwaltungsgemeinschaft
NORDKREIS
WEIMAR

Geschichte der Gemeinde Berlstedt

Im Berlstedter Ortsbild begegnen sich wie selten in einem Dorf Altes und Neues. Schon bei der Anfahrt aus Richtung Sömmerda oder Schwerstedt fahren wir an einem deutlich sichtbaren Hügel vorbei: Der "Heye", ein frühmittelalterlicher Grabhügel mit Gräbern von Germanen und Slawen in 4 Schichten übereinander.
Die Ersten Anzeichen einer intensiven Besiedlung der Flur stammen schon aus der Jungsteinzeit, der Fund von 31 Steinbeilen und Bruchstücken, sowie zweier Gräber mit Gefäßen und Werkzeugen, vermutlich aus der Glockenbecherkultur.

Hier beginnt die geschriebene Geschichte Berlstedts: Das Ingelheimer Protokoll vom 18. Mai 876 erwähnt einen Ort namens Berolfestetin ein "Berolf" war also mit Burg und Dorf belehnt worden und nun dem Kloster Fulda zinspflichtig. Das - viel ältere- Dorf ist mit seinem Kern bis heute in alter Form erhalten. Als Folge des Grafenkrieges wird die Berlstedter Burg zerstört, 1391 belehnt Landgraf Baltharsar Erfurt mit Berlstedt. Erst 1815 wechselt die Herrschaft, Berlstedt wird nun "Weimarisch". Der Streit um unser Dorf hatte aber nie aufgehört. 1514 überfielen die Herren von Weimar den Ort, Mord und Plünderungen sowie Brandschatzungen mussten wir sogar mehrmals erleiden. In allen Kriegen erwies sich die Lage an der "Via Regia", sonst von großem Vorteil, als verheerend. Im 30-jährigen Krieg zogen die Heerhaufen wiederholt hier durch, am 14. Oktober 1632 rastet der Schwedenkönig Gustav Adolf in Berlstedt "und hat allhier gespeißet". Schon 1538 war im Gefolge der Reformation, sehr selten für ein Dorf, eine Schule eröffnet worden und "ein Lehrer fest eingestellt".

1664 stirbt das Adelsgeschlecht derer von Rapp aus, das seit 1391 in der "Ritterburg" geherrscht hatte - von da an wechselten die Herrschaften ständig. Noch wichtiger wird das Jahr 1696: Die neue Kirche wird geweiht, sie steht noch heute im Original als unser ältestes und größtes Denkmal. Schon 1806 leiden wir weiter unter der Via Regia. Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt plündern Französische Truppen das Dorf. Am 17.10.1806 erschießen marodierende Soldaten unseren Pfarrer Christian Andreas Sulzmann.

Im Mai 1829 vernichtet ein Großfeuer fast den ganzen Ort, danach wird gründlich neu gebaut, das heutige Straßennetz des Ortskernes entsteht. 45 Jahre später erhält Berlstedt eine neue, größere Schule "mit 2 Schulsälen" und einer Lehrerwohnung - im Schulhaus ist bis heute noch der Schulhort untergebracht. Und - Berlstedt lebt nicht nur von der Landwirtschaft: Seit 1840 werden jährlich bis zu 300.000 Stück Torf gestochen, das "Rieth" wird trockengelegt.

Schon im Jahre 1894 beginnt die Entwicklung Berlstedts zu einem "Zentraldorf": Die Molkerei, welche Neumark - trotz Lage an der Eisenbahn nicht haben will, wird in Berlstedt gebaut: Gegenüber der alten Posthalterei an der Via Regia - der Anfang für eine neue Straße (heutige, Hauptstraße) war gemacht.

1914-18 hinterläßt der 1. Weltkrieg tiefe Spuren. 120 Männer müssen in den Krieg, 17 kommen nicht wieder, 30 werden schwer verwundet. 1938 beginnt das traurigste Kapitel der Berlstedter Geschichte: Am Ortsrand wird ein Außenlager des KZ Buchenwald für 200 Häftlinge gebaut, die in einer Ziegelei ("Klinkerwerk") schuften müssen. Eine neue Siedlung (für die Wachmannschaften) und hoch aufragende Industriebauten erweitern das Ortsbild. Mit dem Tag der Befreiung des KZ Buchenwald und des Dorfes kann Berlstedt den befreiten Häftlingen erste Hilfe leisten: Die Molkerei liefert sofort Trinkwasser, Milch und andere Lebensmittel. Die amerikanischen Behörden haben eigene Auffassungen vom Antifaschismus: Sie setzen den Betriebsleiter des Klinkerwerkes (KZ Buchenwald) als Bürgermeister ein.

Am 1.9.1946 macht die Gemeinde den nächsten Schritt in Richtung "Zentraldorf": In einer ehemaligen KZ Baracke und in der alten Schule nimmt die "Zentralschule" den Unterricht auf. Schon 1951 wird der Neubau der Zentralschule mit 17 Klassenräumen eingeweiht. Die Jahre 1956 und 1958 bringen neue Einrichtungen, das "Zentraldorf" wird mit Landwarenhaus und Ärztehaus zum Dienstleister für alle Gemeinden. Mit Beginn der 60-er Jahre wachsen die ersten großen Wohnblöcke, ein zentraler Klubrat bringt "die Kultur auf das Land".

Schon 1968 wird Berlstedt Vorreiter für die ganze Republik: Auf Anregung des Bürgermeisters Wichmann entsteht der 1. Gemeindeverband. Zur gleichen Zeit schließen sich die LPG des Nordkreises zur Kooperationsgemeinschaft zusammen. Schon 1971 entsteht die größte Milchviehanlage der DDR: 2.000 Kühe in einem Stall. Höhepunkt der industriemäßigen Produktion ist die "Agrarindustrievereinigung" mit 36.000 ha und 5.000 Rindern in 2 Stallanlagen und Außenbereichen in Berlstedt. Imposante Hochsilos prägten weithin sichtbar das Dorfbild.

Am 6. Mai 1990 finden die ersten Wahlen in Freiheit statt. DBD, CDU, SPD und DTSB stellen die ersten neuen Gemeinderäte. Nach der Wende wird die industriemäßige Produktion der Landwirtschaft zwar eingeschränkt, bleibt aber als größter Arbeitgeber in den Grundlagen erhalten. Ein neues Gewerbegebiet ergänzt das Ortsbild im Norden. 1996/97 werden Tankstelle und Warenhauskomplex in Betrieb genommen - genau gegenüber der "Heye", dem 2000 Jahre alten Grabhügel - alte und neue Zeit begegnen sich wieder in Berlstedt.

In der Zeit von 1995 bis 2001 werden alle schulischen Einrichtungen (Grund- und Regelschule mit Turnhalle) grundhaft saniert und modernisiert.

2003 wird die innerörtliche Straßenkreuzung für die Richtungen Neumark, Schwerstedt, Stedten zum Kreisverkehr umgebaut und ein Teilstück der Hauptstraße grundhaft saniert.

Das 1974 gebaute Kulturhaus wird seit 2004 durch ein privates Unternehmen betrieben.

2006 wird die Gemeinde Berlstedt 1130 Jahre alt, im Oktober wird eine Festwoche veranstaltet.

Zum 01.12.2007 wird die Gemeinde Hottelstedt in die Gemeinde Berlstedt eingegliedert. Aber nicht nur dadurch wuchs der Ort, auch das Wohnbaugebiet "An der Ballstedter Straße" trug dazu bei.

Im April 2008 wird die Begegnungsstätte Berlstedter Heimatstuben eröffnet.

In den Folgejahren wurde die Sanierung gemeindeeigener Objekte wie z.B. Ärztehaus, ehemalige Molkerei, Kindergarten und verschiedener öffentlicher Plätze intensiv weiterbetrieben.

Im Jahr 2011 wurde die Kirchgasse saniert, die Gemeindeverwaltung bekam ein neues Dach und die Fassade wurde gedämmt.

2012 wurden die Treppen am Dorfgemeinschaftshaus/Kulturhaus saniert.

2013 erfolgten Kanalarbeiten im Bereich "An den Teichen", sowie Straßen- und Gehwegreparaturen im Bereich Hottelstedter Straße.

Notrufnummern

Allgemeiner Notruf Polizei: 110

Kontaktbereichsbeamter
Berlstedt (Di 14-18 Uhr):
036452 - 71987

Kontaktbereichsbeamter
Buttelstedt (Do 15-18 Uhr):
036451 - 73460

Ärztlicher Bereitschaftsdienst:

Mo / Di / Do 19 – 7 Uhr des Folgetages
Mi und Fr 13 – 7 Uhr des Folgetages
Sa / So / Feiertag 7 – 7 Uhr
Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Zahnärztlicher Wochenendbereitschaftsdienst: 0180 5908077

Allgemeiner Notruf in
lebensbedrohenden Notfällen: 112

 

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